2035 ist es zu spät für eine Entscheidung (1)


„Schämt euch“, werden die Menschen in 15 Jahren sagen, wenn wir im Restaurant ein Rinderfilet vom Rind bestellen. Und das ist dann noch nett formuliert, Klimaschützern werden jedem im Jahre 2035 mit ganz anderen Worte entgegen treten. Real entnommene Teile eines Tieres sind dann, wenn überhaupt nur noch auf dem Schwarzmarkt zu erwerben. Lesen sie in drei Teilen wie wichtig ihr Handeln ist, um unser aller Leben zu retten. 1. die Entwicklung – 2. die Reaktion – 3. die Prävention.

Gehen wir mal gedanklich in das Jahr 2035 und erstellen eine Vision.

Laborfleisch ist akzeptiert, aber nur noch selten nachgefragt. Das Vegane Leben hat Einzug gehalten und alles blüht und wächst. Keiner will mehr auf die üppig gedeihende Natur verzichten, die klaren Flüsse und Bäche, das saubere Grundwasser, den Überfluss an Nahrungsmittel zu besonders günstigen Preisen. Lebensmittel-Spekulanten sind seit langem vom Markt entfernt worden oder sitzen im Gefängnis.

Mit dem Verzehr von Körperteilen verbinden die Menschen kaum noch Tradition oder Genuss, Abscheu und Ekel schon eher.

Wer Freunde und Familie einlädt, der stellt sich im Jahre 2035 per Gedanken ein Menu auf Pflanzenbasis zusammen. Per Wimpernschlag informiert man die eingeladenen Mitglieder der Gruppe. So kann jeder direkt seinen positiven Einfluss auf die Umwelt, den Nährwert und die Bioverfügbarkeit ansehen und zusagen. Das die Welt sich verändert hat, wird nur noch von den Älteren wahr genommen, die Jugend ist auch im Jahre 2035 mit endlich mit der eigenen Zukunft beschäftigt. Strebte man früher nach Anpassung und Gleichmachung, wollte man heute wieder als Individuum wahr genommen werden.

Eigentlich waren es immer die Älteren, die weitreichende Veränderungen erkennen, junge Menschen wollten unbeschwert Leben, Erleben, lustig sein. Natürlich nicht alle, aber doch der grösste Teil. Sie Reisen bevorzugt virtuell und auch mal physisch, alles im Einklang mit Messwerten des eigenen Körpers und den berechneten Werten vor und nach der Reise. Heranwachsende gehen selbstverständlich im Jahre 2035 alle 3 Monate zur Vor- und Nachsorge. Diese beinhalten mehr als nur eine persönliche Belastungs-Diagnose, sie erstellen auch ein Abbild aller Einflüsse auf die Umwelt und die Menschen im jeweiligen Umfeld.

Haben alle Menschen die gleichen Rechte in 2035?

Glaubte man immer noch, dass es zu einer Gerechtigkeit unter den Menschen kommt, schwand mit der Zeit die Hoffnung auf einen Wandel. Es ist 2030 schlimmer als im Jahre 2021, sie machen sich immer noch die Taschen voll und erhöhen sich alles ungeniert. Von Chancengleichheit kann keine Rede sein. Obdachlose wurden von niederträchtigen Politikern ohne Charakter gezählt, heute jagt man sie bei jedem Staatsbesuch aus der Stadt.

Jeder noch so engagierte Versuch eines Moderators im Fernsehen, dem Gegenüber notwendige Fragen zu stellen, wird direkt mit Rauswurf und Verbannung aus dem Journalistenverband beantwortet. Gleichschaltung ist die Norm und alle Lieben es, in den öffentlichen Kanälen sitzt ein Moderator, dessen Birne beim Boxen gelitten hat. Fernsehen war Abwechslung und Gleichschaltung zu gleich, man hat es jedem Armen und Dummen als Propaganda-Medium genehmigt.

Alle Menschen sind gleich

Erst kürzlich wurde ein Fall einer Selbst-Bestrafung aus dem Jahre 2033 bekannt. Sämtliche Mitarbeiter eines linientreuen Verlages liefen 3 Stunden lang im Keller ihres Bürohauses hin und her und haben sich gegenseitig aus dem 25 Seiten starken Meisterwerk „Alle Menschen sind gleich“ vorgelesen. Nach jedem Satz küssten sie das Foto des Schriftstellers auf der Rückseite des Buches. Ihr Vergehen damals: Ein Artikel auf ihrer Webseite über den Haushalt des Landes hatte eine ausformulierte Frage! Fragen stellen bedeutete Verschwörung! Wie leichtsinnig von den dämlichen Schafen.

Seit nunmehr 10 Jahren gewinnt dieses Meisterwerk jedes Jahr den Buchpreis und wurde bereits in alle europäischen Sprachen übersetzt. Man einigte sich im Jahre 2029 auf den Kompromiss, eine kleine Auflage in englischer Sprache heraus zu geben. Schon der Titel klingt vielversprechend: „Alle Menschen sind gleich.“ Es darf in keinem Haushalt fehlen.

Der damals 9 jährige Schriftsteller aus Berlin, jüngster Sohn der regierenden Bürgermeisterin, wird nicht nur von der Jugend wie ein Popstar gefeiert. Taucht er in der Öffentlichkeit auf, dann fallen die dankbaren Mutters und Mutterinnen auf die Knie und winken ihm weinend zu. „Er ist seiner Gebärenden wie aus dem Gesicht geschnitten“, sagen sie und liegen sich dann vor Glück in den Armen. Seit 2026 ist es das Hauptwerk für sämtliche Schulklassen von der ersten bis zur dreizehnten Klasse.

Denunzieren ist endlich wieder gefragt

Heute ist nicht mehr bekannt, welche Partei sich da durchgesetzt hat. Gelegentlich kommen einige Halbsätze an die Öffentlichkeit, es traut sich aber niemand so richtig das Thema anzusprechen. Zu gross ist die Gefahr seinen Job, die Wohnung, die eigenen Kinder und das Gedächtnis zu verlieren. In den öffentlichen Medien durfte es wie damals keine zweite Meinung geben, aber es besserte sich.

Wahlen machten im Jahre 2035 eigentlich immer noch keinen Sinn, aber einige Gutgläubige konnten danach Nachbarn und Freunde besser bewerten, denn alles war öffentlich. Ob es stimmte oder nicht, der Ausgang der Wahlen war weiterhin ein Witz. Familien ging es während den Wahlen wunderbar, sie wurden umworben, keiner muckte auf und setzte sich zufrieden zu den Affen. Mal hielten sie sich die Augen zu, mal den Mund und gelegentlich die Ohren. Heute muss man nur noch 5 Jahre auf ein neues Speicherelement warten. Die Zahlen der führenden Institute und Fachleute wurden wie jedes Jahr von oben abgenickt, völlig wertlos, denn sie können seit 2028 jeden Fakten-Check erfolgreich umgehen.

Tot und Verderben durch gute Lobbyarbeit

Im Jahre 2034 wurde das letzte Gütesiegel verboten, zu gross waren die Einflüsse der Lobbyverbände. Jahr für Jahr Skandale und Verhaftungen, mit immer einfallsreicheren Tricks konnten die Verurteilten durch Zahlung einer Geldstrafe das Gefängnis vermeiden. Ganz egal ob es um das Trinkwasser, die Strahlenbelastungen oder die giftigen Düngemittel geht. Kein Wort von den vielen Missbildungen und Toten, den zerstörten Lebensräumen und Existenzen.

Dreck reinigt den Magen

Waaaaas?“ entsetzt sprangen die Menschen aus dem Fernsehsessel empor. „Das kann doch nicht euer Ernst sein?“ Damit hatte im Jahre 2031 nun wirklich keiner rechnen können. Manche würgten und übergaben sich, andere waren so verzweifelt, sie brüllten und warfen mit allem um sich. Die Stimmung drehte sich aber schon bald in Richtung Ekel, und Traurigkeit. Einige haben ihre Augen bis in die Morgenstunden nicht mehr schliessen können und weinten den vielen entweihten Seelen hinterher.

Man kann sich kaum diese Macht- und Hoffnungslosigkeit der Menschen vorstellen. Kein Sender blieb bei seinem Programm, die Meldungen überwarfen sich mit neuen Informationen. Der leitende Staatsanwalt stand ruhig und gefasst vor der Presse: „Liebe Mitbürger, glauben sie mir, ich bin genauso angewidert und fühle mich machtlos nach den Aussagen der CEO’s führender Lebensmittelkonzerne. Ob die Regierung mit im Boot war und über Jahre ein Auge zu gedrückt hat, steht noch nicht abschliessend fest.“ Wem sollte man jetzt noch glauben?

„Nach jetzigem Stand konnten die angeklagten Firmen ihr Handeln gut verschleiern und ich möchte sie bitten,“ sagte er mit versteinerter Stimme, „in den kommenden Tagen einen Arzt ihres Vertrauens aufzusuchen und sich einem umfassenden Gesundheits-Test zu unterziehen.“ Privaten Krankenhäusern war es jedoch nicht gestattet diesbezüglich Patienten zu untersuchen. Nach dem letzten Skandal haben sie ihre Berechtigung verloren Diagnosen zu stellen. Alles geschieht weiterhin ohne vorherige Absprache mit dem Ministerium für Mensch und Umwelt.

Lesen sie im 2. Teil was auf uns zukommen kann, wenn wir Zweifler Mundtod machen und jeden Menschen dämonisieren, der anderer Meinung ist.

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